Sanierung und Erweiterung der Graf-zu-Bentheim-Schule, Blindeninstitut Würzburg
Ausgangslage
Die Graf-zu-Bentheim-Schule in Würzburg ist ein Förderzentrum mit dem Schwerpunkt „Sehen“ und Teil der renommierten Blindeninstitutsstiftung. Hier erhalten rund 250 Kinder und Jugendliche – blinde, sehbehinderte und vielfach auch mehrfachbehinderte Schülerinnen und Schüler – eine spezialisierte schulische und therapeutische Förderung. Die bestehende Gebäudestruktur stammte aus den frühen 1980er-Jahren und war in vielen Bereichen stark veraltet. Weder die technischen Anlagen noch die räumlichen Konzepte entsprachen den Anforderungen moderner Pädagogik, Barrierefreiheit oder Inklusion.
Besonders kritisch waren die veralteten elektrotechnischen Systeme: Brandschutz, Beleuchtung, Kommunikations- und Netzwerktechnik sowie die Gebäudeautomation mussten dringend modernisiert werden. Gleichzeitig wuchs die Schülerschaft stetig, sodass zusätzliche Räume für Unterricht, Therapie und Förderung benötigt wurden.
Mit einem Investitionsvolumen von rund 20 Millionen Euro wurde daher eine umfassende Sanierung und Erweiterung des Schulkomplexes beschlossen. Finanziert wurde das Projekt durch den Freistaat Bayern sowie durch Spenden, unter anderem von der Benefizaktion Sternstunden des Bayerischen Rundfunks, die Kinderhilfsprojekte in ganz Bayern unterstützt. Ziel war es, einen Lernort zu schaffen, der durch moderne Elektroplanung, innovative Lichtkonzepte und smarte Gebäudetechnik ein Maximum an Sicherheit, Barrierefreiheit und pädagogischem Nutzen bietet.
Aufgabenstellung
IBZ wurde mit der vollständigen Elektroplanung und Umsetzung der technischen Gebäudeausrüstung beauftragt. Die zentrale Aufgabe bestand darin, eine elektrotechnische Infrastruktur zu entwickeln, die sowohl den hohen sicherheitstechnischen Anforderungen als auch den besonderen Bedürfnissen der Schüler gerecht wird. Dabei ging es nicht nur um klassische Stromversorgung und Beleuchtung, sondern um ein umfassendes Konzept, das Lernen, Orientierung, Sicherheit und Energieeffizienz intelligent miteinander verbindet.
Ein besonderer Teil der Aufgabenstellung war zudem die Planung der Schwimmbadtechnik. Das Schwimmbad ist für die Therapie- und Förderangebote der Schüler von zentraler Bedeutung und musste technisch so ausgestattet werden, dass es sowohl pädagogische als auch sicherheitstechnische Anforderungen erfüllt. Dazu gehörten u. a. ein Hubboden im Therapiebecken, energieeffiziente Unterwasserscheinwerfer, ein mobiles Notrufsystem für Betreuer sowie die Integration einer Sauna in die Anlage.
Ein wesentliches Ziel war die Integration eines modernen Licht- und Leitsystems, das blinden und sehbehinderten Kindern die Orientierung im Gebäude erleichtert. Gleichzeitig sollte eine leistungsstarke IT- und Medientechnik-Infrastruktur geschaffen werden, die zeitgemäßen Unterricht, digitale Medienarbeit und therapeutische Anwendungen ermöglicht. Ergänzt wurde dies durch eine zuverlässige Brandmelde- und Sicherheitstechnik, die höchste Standards erfüllt.
Darüber hinaus spielte Nachhaltigkeit eine große Rolle: Durch energieeffiziente Beleuchtung, KNX-Bussysteme mit zentraler Steuerung und automatisierte Abläufe sollte die Schule auch langfristig ressourcenschonend und wirtschaftlich betrieben werden können. Die Aufgabenstellung war somit klar: eine Elektroplanung, die weit über die Norm hinausgeht und ein zukunftssicheres, inklusives Schulumfeld schafft.
Leistungen
Das Ingenieurbüro Zink plante und realisierte sämtliche elektrotechnischen Anlagen der Anlagengruppen 4 und 5 nach HOAI (LPH 1-9) im Schulgebäude und auf dem Campus. Darin enthalten waren:
- Beleuchtungsanlagen inklusive biodynamischem Licht in Unterrichtsräumen – steuerbar in Lichtstärke und Farbtemperatur (warmweiß bis kaltweiß)
- Blitzschutz- und Erdungsanlagen für maximale Sicherheit
- Niederspannungs- und Schaltanlagen zur Energieversorgung
- Telekommunikations- und IT-Netze (inkl. EDV- und Übertragungsnetze)
- Brandmeldeanlage nach DIN 14675, angebunden an die zentrale Leitstelle des gesamten Blindeninstituts
- Such- und Signalanlagen sowie elektroakustische Systeme für die barrierefreie Kommunikation
- KNX-Bussystem mit zentraler Steuerung, integriert in den Schulrhythmus (Ferien- und Unterrichtszeiten)
- Medientechnik in Aula, Kapelle und Turnhalle, inkl. Beschallungssysteme
- Präsenz- und tageslichtabhängige Steuerungen zur Energieoptimierung
- Spezielle Lösungen für Therapieräume und Schwimmbadtechnik: Akustische Bodenlautsprecher in Therapieräumen, LED-Handläufe und Lichtbänder zur Orientierung, Schwimmbadtechnik mit Hubboden, Unterwasserscheinwerfern, Sauna und mobilem Notrufsystem für maximale Sicherheit
Mit diesen Leistungen wurde ein modernes elektrotechnisches Gesamtsystem geschaffen, das die Schule zukunftssicher aufstellt und in Deutschland als eine der ersten Einrichtungen biodynamische Beleuchtung in dieser Form einsetzte.
Herausforderungen und Besonderheiten
Die Realisierung dieses Projekts war von zahlreichen Herausforderungen geprägt. Besonders komplex war die Umsetzung der Elektroplanung im Hinblick auf die sehr spezifischen Bedürfnisse der Schüler. Da viele Kinder blind oder stark sehbehindert sind, mussten klassische technische Standards erweitert und in individuelle Lösungen übersetzt werden. So entstanden beispielsweise LED-beleuchtete Handläufe, kontrastreiche Lichtbänder in Fluren, akustische Orientierungshilfen und biodynamische Beleuchtung in Klassenzimmern. Letztere ermöglicht die Anpassung von Helligkeit und Farbtemperatur an Tageszeit und Unterrichtssituation.
Auch im Bereich der Schwimmbadtechnik mussten besondere Lösungen gefunden werden: Der verstellbare Hubboden erlaubt es, das Therapiebecken flexibel an unterschiedliche Therapie- und Unterrichtssituationen anzupassen. Unterwasserscheinwerfer sorgen für Sicherheit und eine angenehme Atmosphäre, während ein mobiles Notrufsystem die Arbeit der Betreuer erleichtert. Ergänzt wird dies durch eine Sauna, die den Schülern zusätzliche Möglichkeiten zur Entspannung und Förderung bietet.
Alles in allem lag die Besonderheit somit in der Kombination aus pädagogischen, technischen und gestalterischen Anforderungen. Die Elektroplanung musste nicht nur zuverlässig funktionieren, sondern aktiv zur Barrierefreiheit beitragen. Ergänzend wurden taktile Beschilderungen in Braille-Schrift, speziell gestaltete Türgriffe sowie akustische Signaltechniken umgesetzt, die blinden Kindern den Alltag erleichtern.
Trotz dieser komplexen Ausgangslage gelang es, das Projekt innerhalb des vorgegebenen Zeit- und Kostenrahmens zu realisieren. Heute gilt die generalsanierte Graf-zu-Bentheim-Schule als Vorzeigeprojekt für inklusive Bildung und moderne Elektroplanung in Bayern. Sie zeigt eindrucksvoll, wie technische Gebäudeausrüstung und innovative Elektrotechnik den Alltag sehbehinderter Kinder nachhaltig verbessern können.